Generation Y – bedingungslos bindungsgestört?

Generation Y.

Sie sind maximal 35 Jahre alt. Also zwischen 1971 und 1997 geboren.
Die Nachfolger der Generation X und Vorläufer der Generation Z.
Ihr Teenagerleben verbrachten sie in den 90ern. Jetzt sind sie angeblich absolut flexibel, willen- und emotionslos und: bindungsgestört. Ewige Liebe, Familie und Kinder sind nicht mehr “in”.
Die Generation Y arbeitet bis der Mercedes in der eigenen Garage steht. Sie sind Nutzer von Dating-Apps wie Tinder oder Loovoo. Das prägt ihren Alltag und pusht (im besten Fall) das Selbstbewusstsein. Wer wirklich auf der Suche nach Liebe ist, hat es schwer. Ist doch alles so schön oberflächlich.

 

Stop!

Ich gehöre auch der Generation Y an. Bin also quasi mittendrin. Das präsentierte Bild ist eins von den Medien kreiert. Wir werden in eine Schublade gesteckt. Mit allem was dazu gehört.

Arbeitswelt

arbeitsvertragHier sind wir ja angeblich so flexibel. Falsch. Wir MÜSSEN flexibel sein. Befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit und Praktika sind unser täglich Brot. Eine feste Anstellung mit festem Einkommen und Sicherheit ist für uns weit entfernt. Ein Maximum an Flexibilität wird von uns genauso verlangt, wie ein Minimum an Sicherheit.

Nestbau

nestbauWie sollen wir ein Nest bauen, wenn wir kein Geld haben? Wie sollen wir uns etwas aufbauen, wenn wir von einem Praktikum ins nächste und von der einen befristeten Stelle in die nächste rutschen? Ein Kind ist hier das letzte was wir in dem Moment gebrauchen können. Schließlich müssen wir erstmal unser eigenes Leben auf die Reihe kriegen.

Dating-Apps

tinderTja, davon können wir uns wohl nicht frei sprechen. In unserer Generation unterscheidet man kaum noch zwischen online und offline. Wir kennen es nicht anders. Und wieso sollen wir das nicht auch probieren. Immer mit dem realistischen Gedanken im Kopf, dass es wohl nicht so viel Sinn macht. Wisch und weg eben.

Bindungsangst

GroßelternWir sind nicht mehr in der Lage uns auf eine Beziehung á la unserer Großeltern einzulassen. Wird uns nachgesagt.
Und ja, vielleicht wollen wir uns nicht mehr mit 20 an einen Partner binden, Kinder in die Welt setzen und im Einfamilienreihenhaus leben.
Unsere Welt bietet uns Chance, die wir nutzen sollten. Wir können reisen – an die abgelegesten Orte der Welt. Wir können studieren, wenn wir es wollen und nochmal neu anfangen, wenn uns der Sinn danach steht.
Wieso also sollten wir uns an einen Ort binden? Wieso können wir uns nicht erst mit 35 dem Leben hingeben, wofür wir jetzt reisen? Mal davon abgesehen, ist es mit befristeten Verträgen oder Praktika ein Ding der Unmöglichkeit, sich auf Einfamilienhaus und Kinder einzulassen. Dann können wir lieber zwischen Praktika 10 und befristetem Arbeitsvertrag 4 an die schönen Orte der Welt reisen.
Natürlich bedeutet ein Partner nicht gleich das Ende des Lebens. Sondern vielmehr der Beginn eines anderen Lebens. Aber die Generation „erstmal abwarten“ sind wir gerne. Und mit „erstmal abwarten“  wurde sicherlich schon der ein oder andere Heiratsantrag eingeleitet.

Fassen wir also zusammen. Wir sind nicht bindungsgestört. Wir sind nur auf der Suche nach der vollkommenen Erfüllung des Lebens. Wir wollen alles erleben und nicht nur sagen, dass wir es tun. Wir wollen die sein, die sich selbst kennen und doch den anderen mehr lieben, als sich selbst. Wir wollen rausfinden wer wir sind, um unseren Kindern irgendwann genau das erzählen zu können. Wir arbeiten jetzt dafür, coole und hippe Eltern zu sein. Eltern, die spaßige Dinge machen. Die nicht ihre Kinder für das Ende ihres Leben verantwortlich machen. Wir haben einen Plan. Da macht euch mal keine Sorgen.

tattooed parents